Forschungsinstitut für
Nachhaltigkeit | am GFZ

Ökosystembasiertes Management im Tiefseebergbau (MiningImpact 3)

Dauer

bis

Dr. Barbara Neumann

Forschungsgruppenleiterin
Die Internationale Meeresbodenbehörde (ISA) mit Sitz in Kingston, Jamaika, ist die mit den Vereinten Nationen verbundene Aufsichtsbehörde für den Meeresbodenbergbau in Gebieten außerhalb der nationalen Hoheitsgewässer.

Als Konsortialpartner von MiningImpact 3, einem Projekt der Gemeinsamen Programmplanungsinitiative (JPI) „Ozeane“ der EU, forscht das RIFS zum internationalen Regulierungsrahmen für Meeresschutz und -nutzung, insbesondere zu den von der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) festgelegten und umgesetzten Vorschriften und Verfahren. Ziel des Beitrags ist es, Empfehlungen für die Einführung und Umsetzung eines „ökosystembasierten Managements“ innerhalb des ISA-Regulierungsrahmens zu entwickeln.

Der Großteil des Ozeans wird als „Gebiete außerhalb nationaler Hoheitsgewalt“ eingestuft und unterliegt daher der internationalen Zusammenarbeit. Dies betrifft nicht nur die Hohe See, sondern auch den Meeresboden mit seinen Bodenschätzen. Die Internationale Meeresbodenbehörde (ISA) erarbeitet derzeit Regeln für deren Erkundung und möglichen kommerziellen Abbau und ist gleichzeitig dafür verantwortlich, den Schutz der marinen Ökosysteme zu gewährleisten. Nach dem Völkerrecht, insbesondere dem Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen, sind die Staaten verpflichtet, die Meeresumwelt zu schützen und zu erhalten, und der internationale Meeresboden (das „Gebiet“) wird als gemeinsames Erbe der Menschheit definiert. Daher unterliegen alle Aktivitäten zur Ausbeutung mineralischer Ressourcen in diesen Gebieten international vereinbarten Vorschriften, müssen strenge Umweltschutzmaßnahmen einhalten, und potenzielle Gewinne und wirtschaftliche Vorteile sind außerdem gerecht unter der gesamten Menschheit aufzuteilen.

In den mineralischen Ressourcen der Tiefsee wurden Kupfer, Nickel, Mangan, Kobalt und Seltenerdelemente nachgewiesen, was das Interesse von Staaten und privaten Unternehmen weckt – doch internationale Vorschriften und Standards für einen möglichen kommerziellen Abbau dieser Ressourcen fehlen bislang. Derzeit werden solche Vorschriften und Standards weltweit im Rahmen der ISA ausgehandelt.

Ökosystembasiertes Management als Governance-Grundlage

Als ein noch recht neues Paradigma der Umweltgovernance verbindet „ökosystembasiertes Management“ ökologische, soziale und wirtschaftliche Ziele, um menschliche Aktivitäten auf umfassende Weise zu steuern, und definiert Grundsätze, Elemente und Instrumente für ein ganzheitliches, proaktives Management von Aktivitäten. Die International Seabed Authority sieht einen ökosystembasierten Ansatz vor, dieser wird jedoch bislang nicht umfassend adressiert bzw. umgesetzt.

Der Beitrag des RIFS in MiningImpact 3 zielt darauf ab, Erkenntnisse und Empfehlungen für die Umsetzung eines „ökosystembasierten Managements“ im Rahmen des Governance-Systems der ISA zu erarbeiten. RIFS wird qualitative sozialwissenschaftliche Methoden und ko-kreative Ansätze der transdisziplinären Nachhaltigkeits- und Governance-Forschung anwenden, um Optionen zu untersuchen, die möglichen Implikationen zu verstehen und gemeinsam mit Expertinnen und Experten Vorschläge zur Operationalisierung eines ökosystembasierten Managements im Rahmen der ISA zu erarbeiten. Dies umfasst auch teilnehmende Beobachtungen der Verhandlungs- und Arbeitsprozesse der ISA. Die Forschungsergebnisse werden schließlich den Delegierten und Leitungsgremien der ISA vorgestellt.

Das übergeordnete Gemeinschaftsprojekt „MiningImpact 3“ darauf ab, weitere Erkenntnisse über marine Ökosysteme im Zusammenhang mit polymetallischen Knollen und Massivsulfiden am Meeresboden sowie über deren Anfälligkeit und Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Tiefseebergbau zu gewinnen und bestehende Wissenslücken zu schließen. „MiningImpact 3“ baut auf zwei vorangegangenen Projektphasen auf und umfasst ein komplettes Arbeitspaket, das sich mit Governance- und Managementinstrumenten befasst. Es vereint gesellschaftliches, ethisches, ökologisches, technologisches und regulatorisches Fachwissen und beschäftigt sich beispielsweise damit, wie „Digital Twins“ zur Synthese von Umweltinformationen genutzt werden könnten, welche Erkenntnisse aus historischen Ansätzen des Ressourcenmanagements und der Governance gewonnen und übertragen werden können und untersucht den Zusammenhang zwischen der internationalen Governance des Tiefseebergbaus und anderen Regelwerken. In Anknüpfung an mehrere Arbeitsstränge des MiningImpact-3-Projekts zielt der Beitrag des RIFS darauf ab, den Governance-Rahmen der ISA für ein ökosystembasiertes Management voranzubringen.

Gehört zur Forschungsgruppe

Team

Dr. Barbara Neumann

Forschungsgruppenleiterin
Wissenschaftliche Projektleiterin

Dr. Ina Tamara Tessnow-von Wysocki

Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Projektmitarbeiterin

Prof. Dr. Mark Lawrence

Wissenschaftlicher Direktor
Wissenschaftlicher Direktor

Partners

Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (GEOMAR)
Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI)
Universität Bremen
Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
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