Kooperatives Wirtschaften für resiliente Stadtentwicklung: Was Deutschland von Frankreich lernen kann
28.05.2026
Städte stehen vor großen ökologischen und sozialen Herausforderungen. Die Nahversorgung, die Kreislaufwirtschaft, die sozialen Grundversorgung und die Klimaanpassung benötigen resilientere Infrastrukturen. Das RIFS Discussion Paper „Dare to Design for Disaster: Kooperatives Wirtschaften und Netzwerken für resiliente Stadtentwicklung“ zeigt neue Perspektiven für die soziale und ökologische Transformation urbaner Räume auf. Anhand von Beispielen aus Deutschland und Frankreich beschreibt es das Potenzial kooperativer Wirtschaftsformen.
In ihrer Publikation zeigen Cléo Mieulet (Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit) und Paul Jerchel (Institut für Unternehmensdemokratie), die Vorteile des kooperativen Wirtschaftens auf. Darunter verstehen sie eine demokratisch organisierte Wirtschaftsweise, bei der gemeinschaftliche Entscheidungsprozesse und verantwortlich geteiltes Eigentum, Kooperation und gesellschaftlicher Nutzen im Mittelpunkt stehen. Statt ausschließlich auf Wettbewerb und Gewinnmaximierung auszurichten, verbindet kooperatives Wirtschaften wirtschaftliches Handeln mit sozialen, ökologischen und lokalen Entwicklungszielen. Es verankert demokratisches Handeln.
Beispiele aus Frankreich verdeutlichen, wie staatliche Unterstützung, kooperative Organisationsformen und zivilgesellschaftliche Beteiligung gemeinsam tragfähige lokale Infrastrukturen schaffen können. Dazu gehören unter anderem kommunal unterstützte Ernährungssysteme, Modelle zur Bekämpfung von Langzeitarbeitslosigkeit, neue Ansätze der Wiederverwendung und Reparatur sowie Instrumente zur Aktivierung von Leerständen und gemeinschaftlicher Stadtentwicklung. Eine wichtige Rolle spielen dabei rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen, die Experimente ermöglichen und erfolgreiche Ansätze langfristig verstetigen.
Während kooperative Ökonomie in Frankreich zunehmend als Bestandteil öffentlicher Infrastrukturpolitik verstanden wird und eingebettet ist, bleiben entsprechende Ansätze in Deutschland häufig projektbasiert und fragmentiert. Die Autoren plädieren deshalb für einen systematischeren Ansatz: Kooperatives Wirtschaften sollte als relevanter Sektor sichtbar gemacht und langfristig beim Ausbau unterstützt werden. Dazu zählen eine verlässliche Infrastrukturförderung statt kurzfristiger Projektlogik, bessere Zugänge zu Flächen, Finanzierungs- und Rahmenbedingungen, die Kooperationen erleichtern und erfolgreiche Modelle verbreiten. Ebenso empfehlen sie stärkere Vernetzungsstrukturen, neue Experimentier- und Lernräume sowie die gezielte Förderung gemeinschaftsgetragener und gemeinwohlorientierter Wirtschaftsformen.
Die Publikation kommt zu dem Schluss: Resiliente Städte entstehen nicht durch einzelne Modellprojekte, sondern durch langfristig aufgebaute und kooperativ organisierte Infrastrukturen. Entscheidend dafür ist ein anerkanntes Zusammenspiel von Staat, Zivilgesellschaft und kooperativen Akteuren auf Augenhöhe.
Mieulet, C., Jerchel, P. (2026): Dare to Design for Disaster: Kooperatives Wirtschaften als Schlüsselprinzip resilienter Stadtentwicklung. - RIFS Discussion Paper, Mai 2026.
https://doi.org/10.48481/rifs.2026.013
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