Forschungsinstitut für
Nachhaltigkeit | am GFZ

Gemeinschaft und Wildschutz: Gegen Wilderei in Südafrika

27.05.2026

Jeremy Fackenthal, neuer Fellow am RIFS aus den USA, erforscht in Südafrika, wie lokale Gemeinschaften ihre Natur miteinander schützen können. Sein Projekt konzentriert sich auf ein Naturschutzprojekt in KwaZulu-Natal, wo der Ökologe Grant Fowlds mit lokalen Stämmen zusammenarbeitet. Durch finanzielle Beteiligungsmodelle sollen diese Gemeinschaften von Wilderei unabhängig werden. Fackenthal dokumentiert diese Ansätze mit einem Film und einem Forschungsprojekt, in dem er globale „Best Practices“ entwickelt. 

Fellow Jeremy Fackenthal
Neuer Fellow am RIFS: Jeremy Fackenthal aus den USA.

Der Ausgangspunkt war ein Zufall: Während seiner Tätigkeit bei einer Umweltorganisation traf Fackenthal den Ökologen Grant Fowlds, der in Südafrika lebt und arbeitet. Fowlds wuchs auf einer Ranch auf, spricht Zulu und hatte ein Problem: Sein Wildreservat in KwaZulu-Natal war durch Wilderei bedroht. „Grant hat verstanden, dass Wilderei oft aus Armut entsteht“, erklärt Fackenthal. Durch finanzielle Beteiligungsmodelle – etwa durch Einnahmen aus Tourismus oder Jagdverkäufen – können lokale Gemeinschaften einen Wirtschaftsbonus erhalten und sind weniger auf Wilderei angewiesen. „Es ist ein Risiko, aber die Gemeinden entscheiden selbst, ob sie mitspielen“, sagt Fackenthal.

Allerdings sei die Realität komplex. Nicht alle Stämme waren begeistert. „Einige fühlten sich bedroht“, sagt Fackenthal. „Sie befürchteten, dass Fowlds ihnen ihr Land wegnehmen könnte.“ Fowlds’ Lösung: Monatelange Gespräche mit Stammesältesten –„es braucht Zeit, bis die Leute merken, dass er nicht kommt, um zu kontrollieren“, erklärt Fellow Fackenthal.

Die Methode: Film und Forschung

Nach Gesprächen mit Fowlds im Jahr 2023 dokumentiert Fackenthal die Zusammenarbeit zwischen dem Naturschützer und den Führern der Zulu.  „Der Film soll Emotionen wecken, nicht nur Fakten präsentieren“, betont er. Daneben analysiert er die Kommunikationsstrategien: Wie kann Vertrauen aufgebaut werden? Wie strukturieren die Gemeinschaften Entscheidungen? Rangerin Nomphilo Larota, die als Übersetzerin und Dolmetscherin für den Filmemacher tätig ist, spielt dabei eine wichtige Rolle. „Ihr Zulu ist perfekt, und sie versteht beide Welten“, sagt Fackenthal. Der Film wird zeigen, wie Larota dabei hilft, den Gemeinden die Vorteile des Naturschutzes zu vermitteln.

Fackenthal plant weitere Dreharbeiten den gesamten September vor Ort mit den lokalen Gemeinschaften. Es soll Interviews mit Stammesführern und Gemeindemitgliedern geben, um deren Perspektiven darstellen zu können. Er plant, die Dreharbeiten größtenteils selbst durchzuführen, mit zwei Kameras und kleinem Lichtset. Die Stromversorgung zum Aufladen seiner Geräte im ländlichen Gebiet sei gesichert, da das Wildreservat über ein kleines Gebäude mit fließendem Wasser und Strom verfüge, in dem sich auch die Hütten für freiwillige Helfer befinden. Im Wildreservat leben Elefanten, Zebras, Büffel, Gnus, Leoparden, Giraffen und verschiedene Gazellenarten.

Zukunftsaussichten: Vom Wildreservat zur globalen Methode

Das Projekt ist zugleich als umfassende Forschungsarbeit konzipiert: Es sollen ein Whitepaper, ein Fachartikel und eine kurze Dokumentation entstehen. Fackenthal möchte die Entwicklung dokumentieren und Best Practices ableiten. Er wolle jedoch nicht nur die Erfolge zeigen, sondern auch Herausforderungen und Fehler offenlegen, um anderen Naturschützenden wertvolle Erkenntnisse zu liefern. „Es soll am Ende ein Handbuch entstehen“, sagt er, „um anderen zu zeigen, wie sich Gemeinschaften einbeziehen lassen.“ Denn die Bedeutung des Projekts gehe über Südafrika hinaus. Fowlds’ Ansatz – Gemeinschaften als Partner statt als Gegner zu betrachten – könnte für regionale Naturschutzinitiativen in Afrika, Lateinamerika und Asien maßgeblich werden. Sein Projekt zeige für Fackenthal, dass Naturschutz langfristig gelingen kann, sofern lokale Gemeinschaften aktiv mithelfen.

Für Fackenthal wiederum ist es mehr als nur eine wissenschaftliche Untersuchung, es sei auch sein persönliches Engagement für Naturschutz und die Förderung einer nachhaltigen Koexistenz von Mensch und Tier. Sein erklärtes Ziel sei es, eine Geschichte zu erzählen, die inspiriere und zum Handeln auffordere. 
 

Kontakt

M. A. Sabine Letz

Referentin Presse
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