Forschungsinstitut für
Nachhaltigkeit | am GFZ

DAAD-Künstlerprogramm: Was Vulkane über eine Welt im Wandel erzählen

29.07.2026

Als Kind erlebte Mica Cabildo 1991 den Ausbruch des Vulkans Pinatubo auf den Philippinen. Später prägte diese Erfahrung ihre künstlerische Arbeit. Am Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit am GFZ (RIFS) wird die philippinische Künstlerin in den kommenden Monaten untersuchen, wie persönliche Erfahrungen mit Vulkanen mit gesellschaftlichen Debatten über Climate Engineering zusammenhängen.  „We Shall Meet at the Mouth of the Volcano“ („Wir treffen uns am Krater des Vulkans“) heißt ihr Projekt, bei dem sie gemeinsam mit Menschen aus Vulkanregionen und Forschenden ein multimediales Kunstwerk schaffen will. Cabildos Fellowship wird finanziert vom Berliner Künstlerprogramm des DAAD.

Mica Cabildo an der Küste von San Felipe auf der philippinischen Insel Luzon. Der Ausbruch des Pinatubo im Jahr 1991 veränderte diese Landschaft nachhaltig: Vulkanische Sedimente, die über Flüsse ins Meer gelangten, erweiterten an Teilen der Küste die Landfläche.
Mica Cabildo an der Küste von San Felipe auf der philippinischen Insel Luzon. Der Ausbruch des Pinatubo im Jahr 1991 veränderte diese Landschaft nachhaltig: Vulkanische Sedimente, die über Flüsse ins Meer gelangten, erweiterten an Teilen der Küste die Landfläche.

Ein Treffen ausgerechnet am Krater eines Vulkans? Für Mica Cabildo setzt dieses Bild vielerlei Assoziationen frei. „In wissenschaftlichen Debatten über den Klimawandel ist mir klar geworden, dass wir allmählich einen Punkt erreichen, der ähnlich gefährlich ist wie dieser Treffpunkt. Gleichzeitig hat der Krater Verbindungen zur Mythologie: In vielen Gemeinschaften auf den Philippinen und in Indonesien gelten Vulkane als Wohnorte von Göttern und Ahnen – als Tor zu einer anderen Welt, das uns auch inspirieren soll, uns wünschenswertere Zukünfte vorzustellen.“

Cabildos Arbeitsweise verbindet künstlerische Forschung, Gespräche mit lokalen Gemeinschaften und die Beschäftigung mit Literatur. Internationale Residenzen führten sie bereits an die Akademie Schloss Solitude in Stuttgart, zu Gasworks London sowie nach Japan und Taiwan. Ihre Werke umfassen Installationen, Fotografien, Druckgrafiken und Audioarbeiten.

Tradition und Technologie

Nach ihrer Ankunft in Potsdam begann Cabildo Kontakte zu Menschen aus Ländern des Pazifischen Feuerrings zu knüpfen, die in Berlin und Umgebung leben. In Interviews und Workshops werden diese ihre persönlichen Erfahrungen mit Vulkanausbrüchen, Familiengeschichten und kulturellen Traditionen ihrer Gemeinschaft schildern.

Die Beiträge der Teilnehmenden verwebt die Künstlerin mit Geschichten über Wetter-Beeinflussung aus verschiedenen Ländern. „Es finden sich wohl in allen Weltregionen solche Praktiken, verbunden mit ganz unterschiedlichen spirituellen und religiösen Hintergründen. In Shakespeares ‚Der Sturm‘ zum Beispiel gibt es den Zauberer Prospero, der mithilfe eines Buches Stürme heraufbeschwören kann. In gewisser Weise ähnelt dieses Buch dem gesammelten Wissen eines Wissenschaftlers. In Mittel und Südamerika pflegten die Maya, Azteken und Inka komplexe Praktiken der Regenbeschwörung und der Sonnenanbetung. Auf der Insel Luzon wiederum, wo ich herkomme, gibt es eine Reihe von Ritualen, die dazu dienen, Vulkane zu besänftigen.“

Zudem sollen aktuelle Diskussionen über Climate-Engineering-Technologien in das multimediale Kunstwerk einfließen. Am RIFS und GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung ist Cabildo im Kontakt mit Forschenden, die sich mit systemischen Risiken, Vulkanologie und Climate Engineering beschäftigen. Eins der Gesprächsthemen sind Ansätze des Solar-Geoengineering, die von Vulkanausbrüchen inspiriert sind. Letztere kühlen das Erdklima vorübergehend ab, indem sie Aerosole in die Atmosphäre ausstoßen, die einen Teil der Sonnenstrahlung zurück ins All reflektieren. Auf einen solchen Effekt zielen auch Ansätze des Solar-Geoengineering ab. Dabei werden Aerosole oder deren Vorläuferstoffe gezielt in die Atmosphäre eingebracht.

Wissenschaft und gelebte Erfahrung

Cabildo interessiert sich dafür, was passiert, wenn die verschiedenen Wissensformen aufeinandertreffen, etwa die wissenschaftliche Analyse von Vulkanausbrüchen und die Erfahrung der Menschen vor Ort. „Ein Vulkanausbruch kann die globalen Temperaturen für eine gewisse Zeit senken. Doch wenn man den Ausbruch selbst erlebt hat – oder wenn die eigene Gemeinde ihn durchlebt hat –, sieht man etwas ganz anderes. Man sieht Vertreibung, Zerstörung und Verlust.“

In der begleitenden Serie „Unidentified Tropical Event“ („Unbekanntes tropisches Ereignis“) wird Mica Cabildo mithilfe von Risographie oder Digitaldruck eine limitierte Anzahl an grafischen Drucken schaffen. Ausgangspunkt sind Illustrationen aus deutschen Büchern über Hexerei, Alchemie und Kosmogonie aus dem 15. bis 17. Jahrhundert – einer Epoche, in der in Europa die sogenannte Kleine Eiszeit herrschte. Die Arbeiten schlagen eine Brücke zwischen historischen Vorstellungen von Wetter und Klima und heutigen Debatten über die gezielte Beeinflussung des Erdsystems.

Weitere Informationen:

Kontakt

Michelle Angelica Cabildo

Fellow
mca [at] rifs-potsdam [dot] de

Dr. Bianca Schröder

Referentin Presse und Kommunikation
bianca [dot] schroeder [at] rifs-potsdam [dot] de
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