RIFS-Fellowship: Stephanie La Hoz Theuer erforscht die Zukunft der CO₂-Bepreisung
25.06.2026
„Ein Nischenthema“, dachte Stephanie La Hoz Theuer, als sie sich 2005 während eines Praktikums erstmals mit der CO2-Bepreisung beschäftigte. Doch je tiefer sie in die Materie eintauchte, desto mehr wuchs ihr Interesse – und das „Nischenthema“ entwickelte sich zum roten Faden ihres Werdegangs. Während eines einjährigen RIFS-Fellowships untersucht die Klimapolitik-Expertin, wie die Speicherung und Entnahme von CO₂ durch Wälder und Landwirtschaft bei Emissionshandel und CO₂-Steuern berücksichtigt werden können.
CO2-Steuern und Emissionshandelssysteme senken Emissionen, indem sie den Ausstoß von Treibhausgasen verteuern. Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, ist die Reduktion von Emissionen allein aber nicht mehr ausreichend. Fachleute sind sich einig, dass der Atmosphäre aktiv CO₂ entzogen und dauerhaft gespeichert werden muss.
Bislang, erläutert La Hoz Theuer, bezieht allerdings nur ein kleiner Teil der weltweiten CO₂-Bepreisungsinstrumente die CO₂-Entfernung in nennenswertem Umfang ein: „Laut Daten der Weltbank ist es vielleicht eins von neun Instrumenten. In diesen wenigen Fällen stehen meist naturbasierte Ansätze im Vordergrund, vor allem Landnutzungsmaßnahmen wie zum Beispiel Waldschutz, Renaturierung und Aufforstung. Technische Ansätze wie die Abscheidung von CO₂ aus der Atmosphäre spielen noch keine Rolle.“
In ihrem RIFS-Projekt stellt die Forscherin drei zentrale Fragen: Warum haben einige Länder und Regionen naturbasierte CO₂-Entfernung in ihre CO₂-Bepreisungssysteme integriert? Welche Auswirkungen hatte dies? Und welche Lehren lassen sich für die Gestaltung künftiger politischer Maßnahmen ziehen? Zu den untersuchten Ländern und Regionen gehören Neuseeland, Kalifornien, Kolumbien, Australien, China und Quebec.
Die Zeit drängt
Das RIFS empfindet La Hoz Theuer wegen seiner Ausrichtung auf politische Relevanz als besonders passend zu ihren Interessen. Während ihrer gesamten Karriere, die sie von Tätigkeiten in Unternehmen in ihrer Heimatstadt São Paulo und in Zürich zum Klimasekretariat der Vereinten Nationen in Bonn und schließlich zu dem Thinktank Adelphi nach Berlin führte, pflegte sie enge Kontakte zu politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern, die an der Gestaltung und Reform von CO₂-Bepreisungssystemen beteiligt sind.
Ihre Ergebnisse will Stephanie La Hoz Theuer mit Hilfe von Literatur- und Dokumentenanalysen, Fallstudien und Experteninterviews erarbeiten. Workshops mit Forschenden des RIFS und Mitgliedern der International Carbon Action Partnership (ICAP) – eines Netzwerks von über 40 Regierungen, die Erfahrungen und Fachwissen über Emissionshandelssysteme austauschen – sollen ihr dabei helfen, die Ergebnisse in praktische Leitlinien zu übersetzen.
Die Zeit dränge, sagt die Forscherin, da viele Länder gerade neue klimapolitische Instrumente entwickeln. „Ich möchte, dass meine Forschung die politischen Entscheidungsträger erreicht, solange sie noch nützlich ist.“ So arbeite beispielsweise die brasilianische Regierung derzeit am Aufbau eines Emissionshandelssystems.
Chancen und Risiken
Die Einbeziehung der CO₂-Entfernung aus der Landnutzung in CO₂-Bepreisungssysteme kann zusätzliche Mittel für Naturschutzmaßnahmen mobilisieren und die Kosten für die Erreichung der Klimaziele senken. Die Ansätze stoßen jedoch auch auf erhebliche Bedenken: „Wälder können durch Brände, Krankheiten oder geänderte Landnutzung zerstört werden. Bei der CO₂-Bilanzierung müssen wir uns auf bestmögliche Schätzungen verlassen. Und es gibt wichtige Fragen in Bezug auf Landrechte und die Rechte indigener Gemeinschaften.“
Für Stephanie La Hoz Theuer machen diese Komplexitäten ihr Forschungsprojekt umso notwendiger. Denn sie will nicht nur die Bedingungen identifizieren, unter denen die CO₂-Bepreisung effektiv zum Waldschutz und zur Kohlenstoffentfernung beitragen kann, sondern auch Empfehlungen entwickeln, wann alternative Ansätze besser geeignet sind.
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Stephanie La Hoz Theuer
