Klimaschutz im richtigen Mix? Gesellschaftliche Präferenzen für Politikpakete und deren Finanzierung
08.10.2026
Die erheblichen öffentlichen und privaten Investitionen, die für die Umsetzung klimapolitischer Maßnahmen erforderlich sind, rücken immer wieder die Frage der Lastenverteilung ins Zentrum: Wie kann Klimaschutz finanziert werden, und wer soll die Kosten der Transformation tragen? Schließlich hängt die Akzeptanz klimapolitischer Maßnahmen eng damit zusammen, wie diese Belastungen verteilt werden und welchen Prinzipien die Finanzierung folgt. Eine Analyse des Kopernikus-Projekts Ariadne untersucht, welche klimapolitischen Maßnahmenpakete Bürgerinnen und Bürger bevorzugen und wie sie dies begründen.
Für ihre Untersuchung kombinierten die Forschenden zwei Ansätze: In der Ariadne-Bürgerdeliberation diskutierten Bürgerinnen und Bürger nach einer gemeinsamen Informationsphase über verschiedene klimapolitische Optionen und ihre Finanzierung. In einem repräsentativen Survey-Experiment wurde untersucht, wie unterschiedliche Informationen über Kosten und Politikoptionen die Präferenzen beeinflussen. Dabei richteten die Forschenden inhaltlich den Fokus auf Maßnahmenmixe, die drei Maßnahmen kombinierten: CO2-Bepreisung, verschiedene Förderprogramme sowie Ordnungsrecht und deren Finanzierung, zum Beispiel über Staatsverschuldung oder Steuererhöhungen.
Die Ergebnisse zeigen: Viele Menschen wünschen sich statt einzeln implementierter klimapolitischer Instrumente einen ausgewogenen Politikmix. Bevorzugt wird demnach ein Zusammenspiel von CO2-Bepreisung und Fördermaßnahmen, wobei letztere durch moderate Steuererhöhungen finanziert werden sollten. „Die Akzeptanz klimapolitischer Maßnahmen hängt nicht allein von ihrer Wirksamkeit oder der Höhe der Kosten ab. Entscheidend ist auch, wie die Kosten verteilt werden und ob die Finanzierung als sozial gerecht wahrgenommen wird. Auf hohe Zustimmung stoßen deshalb sozial gestaffelte Förderprogramme und ein Klimageld“, sagt Erstautorin Benita Ebersbach vom RIFS.
Förderprogramme werden als wichtiger klimapolitischer Hebel verstanden und als gerecht wahrgenommen, da sie private Haushalte bei der Transformation unterstützen. Dies ist auch dann der Fall, wenn die vergleichsweise hohen CO2-Vermeidungskosten dieser Programme transparent hervorgehoben werden. Kostenüberlegungen sind damit nicht immer ausschlaggebend für die Befürwortung klimapolitischer Instrumente.
Zugleich macht die Untersuchung deutlich, dass die Bewertung von Förderprogrammen an deren Finanzierung gekoppelt ist. So stoßen ein Klimasoli oder die Wiedererhebung der Vermögensteuer zur Finanzierung auf relativ große Zustimmung. Im Gegensatz dazu wird eine Erhöhung der Mehrwertsteuer als Finanzierungshebel mehrheitlich abgelehnt, da sie keine Lenkungswirkung entfalte und einkommensschwache Haushalte übermäßig belaste. Dahinter steht die Überlegung, dass Bevölkerungsgruppen mit hohem Einkommen und Vermögen einen größeren Teil der Transformationskosten tragen sollten.
Die Ariadne-Analyse verdeutlicht den Mehrwert einer Verknüpfung von Survey-Experimenten mit deliberativen Beteiligungsformaten: „Surveys zeigen, welche Politikoptionen Zustimmung finden – und im Falle eines Experiments, unter welchen Bedingungen. Die Deliberation dagegen hilft uns zu verstehen, warum Menschen bestimmte Maßnahmen bevorzugen, welche Gerechtigkeitsvorstellungen dahinterstehen und welche Kompromisse sie bereit sind einzugehen. Für die Ausgestaltung von Politikmixen entsteht so eine sehr gute Grundlage“, erläutert Ebersbach. Die Forschenden betonen dabei, dass eine gesellschaftlich tragfähige Klimapolitik nicht nur robuste Instrumente erfordert, sondern auch Reflexionsräume, in denen Bürgerinnen und Bürger Informationen erhalten und komplexe politische Fragen gemeinsam diskutieren können.
Publikation:
Benita Ebersbach, Katja Treichel-Grass, Karolina Rütten, Tobias Haas, Maximilian Kellner (2026): Klimaschutz im richtigen Mix? Gesellschaftliche Präferenzen für Politikmixe und deren Finanzierung. Ergebnisse aus Deliberation und Survey-Experiment. Kopernikus-Projekt Ariadne, Potsdam. https//doi.org/10.48485/pik.2026.35
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