Forschungsinstitut für
Nachhaltigkeit | am GFZ

Jennifer Morgan über die Zukunft der internationalen Klimapolitik

17.09.2026

Wie verändert sich die internationale Klimapolitik in einem zunehmend fragmentierten geopolitischen Umfeld? Und welche Rolle kann die multilaterale Zusammenarbeit noch beim Klimaschutz spielen? Diesen Fragen widmete sich Jennifer Morgan, ehemalige Sonderbeauftragte für internationale Klimapolitik der Bundesregierung und führende Expertin für zivilgesellschaftliche Interessenvertretung, in einem RIFS Tuesday Talk.

Jennifer Morgan, ehemalige Sonderbeauftragte für internationale Klimapolitik der Bundesregierung
Jennifer Morgan, ehemalige Sonderbeauftragte für internationale Klimapolitik der Bundesregierung

Morgans Vortrag „The Future of International Climate Governance“ bildete den Auftakt zur diesjährigen Potsdam Summer School zum Thema „Sustainability Meets Geopolitics: Managing the Global Commons in Times of Great Power Rivalry“. Die Summer School bringt Nachwuchskräfte und Fachleute aus verschiedenen Ländern und Branchen zusammen, um zu diskutieren, wie sich geopolitische Veränderungen auf die Anstrengungen für nachhaltige Entwicklung auswirken.

Klimapolitik im Zeitalter geopolitischer Konkurrenz

Morgan argumentierte, dass die internationale Klimapolitik nicht einfach in einer Krise stecke oder vor dem Zusammenbruch stehe. Stattdessen beschrieb sie eine sich rasch wandelnde Landschaft: „Klimapolitik ist kein isoliertes diplomatisches Thema mehr. Sie ist direkt in den Mittelpunkt der nationalen Sicherheit, des Handels, der Industriestrategie und der Geoökonomie gerückt.“

Sie identifizierte mehrere zentrale Verschiebungen im breiteren Kontext der internationalen Klimakooperation, insbesondere den Aufstieg der BRICS+ als alternatives Forum für internationale Diplomatie und Zusammenarbeit, sich wandelnde Vorstellungen von Energiesicherheit, die Störung der multilateralen Klimakooperation durch die Trump-Regierung und Chinas Dominanz in vielen Lieferketten für saubere Technologien. Zu den Herausforderungen zählten auch die zunehmenden Handelsspannungen und Protektionismus, die steigenden wirtschaftlichen Kosten der Klimafolgen und die sich verschärfende Schuldenkrise – besonders im Globalen Süden. Darüber hinaus veränderten sich die Prioritäten in den europäischen öffentlichen Finanzen.

Zugleich betonte Morgan, dass das Pariser Abkommen weiterhin wichtige Funktionen erfülle, indem es gemeinsame Ziele festlegt, eine gemeinsame Richtung vorgibt und eine universelle Beteiligung und Legitimität gewährleistet.

Von der Fragmentierung hin zu einem polyzentrischeren System

Die wachsende Zahl von Initiativen außerhalb des UN-Klimaprozesses beschrieb Morgan nicht lediglich als Anzeichen einer Fragmentierung, sondern als Teil eines zunehmend polyzentrischen Systems: Regierungen und Behörden interagieren auf unterschiedlichen Ebenen, von lokalen Kommunen bis hin zu internationalen Gremien. Es gibt jedoch auch eine Verlagerung hin zu externen Foren außerhalb der UNFCCC, wie beispielsweise Handelsgremien, Finanzinstitutionen und plurilaterale Vereinigungen.

Diese Entwicklung könne dazu beitragen, Klimaschutzmaßnahmen in die Wirtschafts- und Industriepolitik zu integrieren, argumentierte sie. Doch sie berge auch Risiken für Länder mit geringeren finanziellen und diplomatischen Ressourcen. „Was mich in dieser sehr geoökonomisch geprägten Welt mit all diesen unterschiedlichen Initiativen besonders beunruhigt, ist die Lage der kleinen Inselstaaten und der am wenigsten entwickelten Länder. Polyzentrische Governance funktioniert nur, wenn sie inklusiv ist. Daher denke ich, dass zusätzliche Anstrengungen erforderlich sind, um sie in verschiedene Initiativen einzubeziehen und ihre eigenen Initiativen zu unterstützen.“ 

Die Rolle Europas

Ein Schwerpunkt des Vortrags lag auf Europa und seiner Position in einem sich wandelnden geopolitischen Umfeld. Morgan argumentierte, dass sich Europa an eine Welt anpassen müsse, in der wirtschaftliche und geopolitische Macht zunehmend verteilt sei.

„Europa muss in seiner Zusammenarbeit mit Partnerländern sowie mit Schwellen- und Entwicklungsländern gerechter, strategischer und besser abgestimmt vorgehen. Wir leben nicht mehr in einer Welt, in der man einfach das, was man braucht, aus einem Land herausholt, ohne dass dieses etwas dafür zurückbekommt. Es muss um gemeinsame Wertschöpfung gehen. Es muss auf Augenhöhe geschehen.“

Sie betonte zudem die Notwendigkeit einer besseren Koordinierung zwischen den europäischen Institutionen und Finanzinstrumenten sowie einer engeren Abstimmung zwischen Handels-, Klima- und Industriepolitik.

Blick in die Zukunft

Morgan schloss mit der Feststellung, dass die internationale Klimapolitik nicht verschwinde, sondern sich weiterentwickle. Die Herausforderung bestehe darin zu verstehen, wie Institutionen, Koalitionen und Initiativen in einem zunehmend polyzentrischen System so zusammenarbeiten können, dass sie zum erforderlichen Tempo und Umfang des Wandels beitragen.

Jennifer Morgan mit RIFS-Forschungsgruppenleiter Rainer Quitzow (links) und RIFS-Direktor Mark Lawrence
Jennifer Morgan mit RIFS-Forschungsgruppenleiter Rainer Quitzow (links) und RIFS-Direktor Mark Lawrence

Kontakt

Dr. Bianca Schröder

Referentin Presse und Kommunikation
bianca [dot] schroeder [at] rifs-potsdam [dot] de
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