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Nachhaltigkeit | am GFZ

Energiegemeinschaften stärken die Energiewende – wenn die Rahmenbedingungen stimmen

10.06.2026

Energiegemeinschaften ermöglichen Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen und öffentlichen Institutionen, erneuerbare Energie selbst zu erzeugen und zu nutzen. Sie gelten unter Fachleuten als Schlüsselelement einer demokratischen und gerechten Energiewende in Europa. Wo erfüllen sie ihr Potenzial schon, wo gibt es Verbesserungsbedarf? Das untersucht eine Sonderausgabe der Zeitschrift „GAIA“, herausgegeben von RIFS-Projektleiter Jörg Radtke.

Dänemark nimmt bei der Energiewende eine Führungsrolle ein.
Dänemark nimmt bei der Energiewende eine Führungsrolle ein.

Skandinavien gilt als internationales Musterbeispiel für weitreichende Energiewenden: Dänemark und Schweden haben einen 90-Prozent Stromanteil an Erneuerbaren – Norwegen fast 100 Prozent. Und auch Partizipation in und an Energietransitionen wird im Norden großgeschrieben. Taugt daher Skandinavien als Vorbild?

Die Autorinnen und Autoren der Sonderausgabe untersuchen die partizipativen Energiepolitiken und Praktiken in Dänemark, Deutschland, Finnland, Norwegen und Schweden. Die Länder verfolgen alle eine ambitionierte Energiepolitik, setzen jedoch EU-Konzepte wie Bürgerenergie nicht einheitlich um, sondern entsprechend ihrer nationalen Vorschriften, Eigentumsregelungen, Tarif- und Netzstrukturen. Die analysierten Fallbeispiele machen deutlich, dass Energiegemeinschaften nicht automatisch zu mehr Demokratie oder sozialer Gerechtigkeit führen, sondern geeignete Rahmenbedingungen benötigen.

Die Sonderausgabe widmet sich drei Forschungsthemen: Energiegemeinschaften, Energiedemokratie und Energiegerechtigkeit. Forschungsergebnisse aus Dänemark sprechen für eine frühzeitigere und strategischere Einbindung der Bevölkerung durch eine stärkere kommunale Führungsrolle und Planungsprozesse im Vorfeld von Projekten. Vergleichende Studien zu Deutschland und Schweden zeigen auf, wie unterschiedliche politische Entwicklungen die Bürgerenergie in beiden Ländern beeinflussen und sich länderspezifische Typen herausbilden. Eine Analyse von Konflikten um Windkraft in Norwegen veranschaulicht wiederum, wie Projekte im Bereich erneuerbarer Energien die demokratische Legitimität untergraben können, wenn lokale und Indigene Gemeinschaften die Lasten beschleunigter Entscheidungsfindung, verzögerter Rechtsprechung und des Ausschlusses von der Wissensproduktion tragen. Deutlich wird: Viele Wege führen nach Rom – erfolgreich sind die Strategien aber immer dann, wenn sie kontextsensibel auf möglichst viele unterschiedliche lokale Bedingungen reagieren können.

Was folgt aus den nordischen Erfahrungen mit Energiegemeinschaften? Ein demokratischer und gerechter Übergang in die Klimaneutralität, so lautet das Fazit des Sonderheftes, hängt von der Umsetzung von Prinzipien der Energiegerechtigkeit ab: ob Bürgerinnen und Bürger in die Lage versetzt werden, sich rechtzeitig und sinnvoll einzubringen, ob Nutzen und Lasten gerecht verteilt werden, ob rechtliche Rahmenbedingungen kollektives Handeln unterstützen und ob betroffene Gruppen als legitime Wissensträger und politische Akteure anerkannt werden.

Die Autorinnen und Autoren plädieren für einen realistischeren Blick auf Energiedemokratie: Sie entsteht nicht von selbst, sondern muss aktiv gestaltet, ausgehandelt und dauerhaft geschützt werden. Die Herausforderung ist daher eine doppelte: Rahmenbedingungen national und der EU zur Förderung von Energiegemeinschaften sind Grundpfeiler, aber vor Ort wird die Energiewende mit den Menschen gestaltet – es kommt also letztlich auf alle engagierten Energiebürgerinnen und -bürger einer Energiedemokratie in Europa an.

Radtke, J., Borch, K. (Eds.). (2026). Northern Lights of Energy Democracy: How Community Energy Drives Northern Europe's Green Transition. GAIA – Ecological Perspectives for Science and Society, 35, 2: 96-136.

Kontakt

Dr. Jörg Radtke

Projektleiter
joerg [dot] radtke [at] rifs-potsdam [dot] de

Dr. Bianca Schröder

Referentin Presse und Kommunikation
bianca [dot] schroeder [at] rifs-potsdam [dot] de
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