Forschungsinstitut für
Nachhaltigkeit | am GFZ

Der Raum als Arena der Interaktion – von der Bühne zur Transformationsforschung

15.05.2026

Janina Janke ist Bühnenbildnerin sowie forschende Künstlerin und wird ihre Expertise während des Fellowships am RIFS in die Gestaltung von Räumen für transformative Prozesse und dialogorientierte Formate einbringen. Mit über 20 Jahren Theatererfahrung, spezialisiert auf ortsspezifische Projekte und interaktive Formate, bringt sie ein tiefes Verständnis für die Wirkung von Orten auf soziale Interaktion mit. Sie will untersuchen, wie Räume Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlicher Hintergründe und Meinungen ermöglichen können – oder sie behindern. 

Janina Janke
Janina Janke präsentiert das Konzept der „Brave Zones“.

Jankes künstlerischer Werdegang reicht von Bühnenbild über Rauminstallationen sowie Urbane Praxis bis hin zu Geisteswissenschaften, Philosophie und Ethnologie. Ihre Abschlussarbeit als Diplom-Bühnenbildnerin an der Universität der Künste Berlin markierte den Beginn einer intensiven Auseinandersetzung mit urbanen Räumen und deren Transformation. Projekte wie die Auseinandersetzung mit dem Bahnhof Zoologischer Garten, dem ehemaligen Hauptbahnhof West-Berlins während der Teilung, oder dem Vergleich der Wohnhäuser „Unité d’habitation“ von Le Corbusier in Berlin und Marseille, zeugen von ihrem Interesse an den sozialen Dynamiken, die Räume prägen. „Während die architektonische Gleichförmigkeit in Berlin zu sozialer Fragmentierung geführt hat, konnte sich in Marseille durch eine Vielzahl an Gemeinschaftsräumen eine integrierende Dynamik entwickeln“, erklärt sie. Diese Beobachtung hat ihre Arbeit ge prägt: Räume seien nicht nur „Grundraum“, sondern Spiegel gesellschaftlicher Prozesse. Ihre internationalen Projekte, wie die Untersuchung der UN-Sitze in Wien, Genf, Nairobi und New York verdeutlichten den Einfluss des lokalen Kontexts auf institutionelle Prozesse.

Theaterkollektiv Turbo Pascal: Interaktive Räume für gesellschaftliche Herausforderungen

Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Entwicklung interaktiver Theaterformate, die hierarchiefreie Räume schaffen und kollektives Denken fördern. Als Teil des Theaterkollektivs Turbo Pascal gestaltet sie seit 2013 Räume, in denen Publikum und Akteure gleichberechtigt interagieren und sich gesellschaftlich relevanten Themen stellen: „Es gibt keine Trennung zwischen Bühne und Zuschauerbereich – alle sind gemeinsam in einem Raum“, sagt Janke.

Für das RIFS, an dem sie als Fellow ein Jahr forscht, bringt Janke ihre Expertise in der Gestaltung physischer Räume für transformative Settings ein. Ihre aktuelle Forschung konzentriert sich auf die Identifizierung von Alltagsräumen, in denen zufällige Begegnungen und unerwartete Dialoge stattfinden – vom Nagelstudio über den Boxring bis zu Ladestationen für E-Autos. Sie ist inspiriert von theoretischen Ansätzen wie „Situated Knowledge" (situiertes Wissen) von Donna Haraway, der „Vita Activa“ von Hannah Arendt und dem Konzept der "gefährlichen Begegnung" von Heinz Bude, die eine aktive Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Perspektiven und Lebenswelten fordern. 

"Ich habe mir über viele Jahre eine umfassende Expertise zu Räumen erarbeitet, um eben diese Form von physischen Settings in andere Bereiche übertragen zu können", erklärt Janke ihre Motivation, ihre Fähigkeiten im Rahmen des Fellowships einzubringen. "Ich schaue, was gibt es für Alltagsräume, wo es zu diesen zufälligen Kontakten alias den gefährlichen Begegnungen kommt - oder wo Menschen unterschiedlicher Meinungen aufeinandertreffen." 

Ziel ihres Projektes ist es, Räume wie E-Auto-Ladestationen, Nagelstudios oder Krankenhäuser neu zu deuten. Janke plant am Ende ihre Ergebnisse, die sie unter dem Arbeitstitel „Brave Zones“ zusammenfasst, beispielsweise auf wissenschaftliche Konferenzen (COP), Bildungsformate und demokratische Prozesse (Bürgerforen) zu übertragen und Empfehlungen für die Gestaltung dafür auszusprechen.

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