Forschungsinstitut für
Nachhaltigkeit | am GFZ

Bessere Daten für Pristinas Kampf gegen Luftverschmutzung

16.03.2026

Kosovos Hauptstadt Pristina gehört zu den Städten mit der schlechtesten Luftqualität in Europa. Der Klimawandel wird das Problem vergrößern: Steigende Temperaturen und Veränderungen von Luftströmen und Niederschlagsmustern wirken sich negativ auf die Feinstaubbelastung aus. Die kosovarische Umweltwissenschaftlerin Adisa Osmani will während eines einjährigen Fellowships am RIFS die künftige Entwicklung der Luftqualität in Pristina modellieren, um der Politik zu einer robusteren Datengrundlage zu verhelfen.

Adisa Osmani
Adisa Osmani

„Der Verkehr in Pristina wird immer dichter: Es ist die Hauptstadt, dort sind die Jobs. Die Menschen pendeln mit dem Auto ein, weil der öffentliche Nahverkehr schlecht ausgebaut und unzuverlässig ist. Die Abgasbelastung steigt also, auch weil die Fahrzeuge schon älter sind. Hinzu kommen die Abgasschwaden der Braunkohlekraftwerke in der Umgebung. Überschreitungen der Luftqualitätsgrenzwerte der EU und WHO sind an der Tagesordnung“, beschreibt Osmani das Problem. Die Weltbank schätzt, dass im Kosovo jährlich 760 vorzeitige Todesfälle auf Luftverschmutzung zurückzuführen ist – eine hohe Zahl für ein Land mit nur 1,7 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern.

Es hapert an der Umsetzung

Die kosovarische Regierung orientiert sich an den Umweltstandards der Europäischen Union, auch an den Grenzwerten für Feinstaub. Das Parlament hat ein entsprechendes Gesetz zur Luftreinhaltung verabschiedet. Die geographischen Bedingungen sind allerdings schwierig, denn Pristina liegt in einem Talkessel, wo kalte Luftschichten oft wie ein Deckel wirken und Schadstoffe am Boden festhalten. Das führt besonders im Winter zu extrem hohen Feinstaubwerten.
„Mit der Umsetzung konkreter Maßnahmen hapert es bislang aus finanziellen Gründen. Die aktuellen Schadstoffkonzentrationen in Pristina liegen weiterhin deutlich über den EU-Grenzwerten. Die Politik muss also dringend tätig werden, um die Gesundheit der Menschen zu schützen“, sagt Osmani.

Deutschland habe gezeigt, wie Klimadaten erfolgreich in die Bekämpfung von Luftverschmutzung einfließen können: „Mit modernen Messsystemen, klaren Gesetzen und bewährten Computermodellen hat Deutschland seine Luftqualität deutlich verbessert. Eine Übertragung solcher Ansätze auf den Kosovo kann helfen, die dortige Luftverschmutzung wirksamer zu bekämpfen – durch Wissenstransfer, Forschung und konkrete politische Maßnahmen.“ Mit ihrer Arbeit am RIFS will Osmani die Datengrundlage für politische Maßnahmen verbessern.

Arbeit an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik

Zu Beginn ihres Projekts wird die Expertin für Umweltmanagement die Luftverschmutzungs- und Wetterdaten von 2010 bis 2023 analysieren und dann Klimamodelle verwenden, um die zukünftige Luftqualität unter verschiedenen Szenarien – sowohl bei mäßiger als auch bei hoher Verschmutzung – mit Blick auf die 2030er und 2050er Jahre zu prognostizieren. Die Vorhersage wird sie mit historischen Daten abgleichen und Karten erstellen, um zu zeigen, wo sich die Verschmutzung verschlimmern könnte.

Die RIFS-Forschungsgruppe „Modellierung der Luftqualität für Politikberatung“ biete für ihr Vorhaben ein inspirierendes Umfeld, so Osmani: „Umgeben zu sein von Menschen, die nicht nur viel über Modellierung wissen, sondern auch an der Schnittstelle von Wissenschaft und Politik arbeiten, ist ideal für das Gelingen meines Projektes.“

Stipendiatin der Deutschen Bundesstiftung Umwelt

Wie viele ihrer RIFS-Kolleginnen und -kollegen hat auch die 26-Jährige bereits Erfahrungen in Forschung, Politik und Praxis gesammelt: Während ihres Studiums am International Business College Mitrovica arbeitete sie an einem Feldforschungsprojekt der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zu Überflutungsfolgen im Kosovo mit. Zudem koordinierte sie für die Nichtregierungsorganisation Initiative for Agricultural Development of Kosovo verschiedene Aktivitäten zur Anpassung der Landwirtschaft an den Klimawandel.

Osmanis Aufenthalt am RIFS wird finanziert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt im Rahmen des Fellowships für Hochschulabsolvierende aus Mittel- und Osteuropa (MOE). 
 

Kontakt

Dr. Bianca Schröder

Referentin Presse und Kommunikation
bianca [dot] schroeder [at] rifs-potsdam [dot] de
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