Headline: Drängende Fragen lösen mit der ‚Weisheit der Vielen’: Patrizia Nanz und Claus Leggewie stellen neues Buch "Die Konsultative" vor

Die Konsultative

Mehr Mitspracherechte und Gestaltungsmacht für Bürger fordern die künftige IASS-Direktorin Patrizia Nanz und Claus Leggewie, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts in Essen (KWI), in ihrem neuen Buch „Die Konsultative“.

Demokratie in der Krise? Politikverdrossenheit allerorten? Verhöhnung und Wut der Bürger wie bei Stuttgart 21? Das ist nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen erobern sich immer mehr engagierte Bürger Handlungsspielräume zurück. An vielen Orten beratschlagen sie nun zum Beispiel über den Trassenverlauf von Stromleitungen. „Großprojekte wie die Energiewende bedürfen der Unterstützung aller, und dazu müssen auch tatsächlich alle die Möglichkeit haben, im Vorhinein einbezogen zu werden“, erklärt Patrizia Nanz, designierte wissenschaftliche Direktorin am IASS und ehemals Leiterin des Schwerpunktes „PartizipationsKultur“ am KWI. Noch viel zu selten, aber immer häufiger finde eine breite und tiefgehende Konsultation von Bürgern statt, bevor Gesetze entwickelt und beschlossen werden.

 

Die Konsultative

 

Die „Weisheit der Vielen“ werde noch immer unterschätzt, argumentieren Nanz und Leggewie. Politiker, Beamte und Experten nähmen in der Regel nicht an, dass größere Einheiten, deren Mitglieder unabhängig sind und nach eingehender Diskussion einen Konsens finden, klüger sein können als Einzelne. Das sei ein Fehler, so Nanz: „Die Erfahrung mit Bürgerbeteiligung hat gezeigt, dass in gelungenen Beteiligungsprozessen ein Thema von allen Seiten beleuchtet wird, und das meist weniger kurzfristig und bedachter als es ein professionalisierter Politiker allein vermag.“

In ihrem Buch fordern die beiden Wissenschaftler die Institutionalisierung von Zukunftsräten, ein flächendeckendes Netz konsultativer Gremien von der lokalen bis zur europäischen Ebene. Mit diesem Konzept haben sie nicht nur ein wegweisendes Modell entwickelt, sondern unterstützen längst Bürger aktiv dabei, sich politische Handlungsspielräume zurückzuerobern, indem sie praktikable Vorschläge zur Lösung schwieriger Aufgaben wie der Endlagersuche für atomaren Müll oder der Flüchtlingsunterbringung beisteuern. Im Verbundprojekt Demoenergie initiierten und begleiteten Forscher vom KWI und IASS unter Patrizia Nanz’ Leitung Bürgerbeteiligungsprozesse in zwei bayerischen Ortschaften und erarbeiteten auf dieser Grundlage Empfehlungen für die Bürgerbeteiligung in der Energiewende.

Die drängenden Fragen der Zukunft können nur mit der Weisheit der Vielen gelöst werden, argumentieren die Autoren. Die vierte Gewalt, die Konsultative, ist ihr Sprachrohr. Unsere Demokratie wird nicht mehr ohne sie auskommen können.

Über dieses Modell diskutieren sie mit dem Bundestagspräsidenten Norbert Lammert und Manfred Hellrigl, Leiter des Büros für Zukunftsfragen in Vorarlberg,

am 15.3. um 11 Uhr im Haus der Bundespressekonferenz, Raum 05, Schiffbauerdamm 40 in Berlin.

Anmeldung bis 10. März 2016 an presse@wagenbach.de.