Bürgerenergie in Strukturwandelregionen: Analyse der sozialen Innovationssysteme "Bürgerenergie" im Rheinischen Revier und der Lausitz
Die vorliegende Studie untersucht die sozialen Innovationssysteme rund um Bürgerenergie in den zwei Braunkohleregionen des Rheinischen Reviers und der Lausitz. Ziel ist eine systematische Bestandsaufnahme der Bedingungen für die Entwicklung und Verbreitung von Bürgerenergie im Kontext des Strukturwandels in den zwei Fallregionen. Die Analyse erfasst zentrale Einflussfaktoren auf das jeweilige Innovationssystem entlang des Systemfunktionen-Ansatzes nach Hekkert et al. (2007) und ergänzt diese durch die Untersuchung zentraler Governance-Dimensionen. Die Studie legt dabei den Schwerpunkt auf förderliche Faktoren, die die Entwicklung und Verbreitung von Bürgerenergie in den Regionen begünstigen. Grundlage der Untersuchung sind Literatur-, Dokumenten- und Datenanalysen sowie zehn leitfadengestützte Interviews und Prozessbeobachtungen aus dem transdisziplinären Forschungsprojekt CREATE:ENERGY (2025–2027). Trotz maßgeblich unterschiedlicher räumlicher, politischer, ökonomischer und sozio-kultureller Rahmenbedingungen in der Lausitz und dem Rheinischen Revier weisen beide Fallregionen in Bezug auf Bürgerenergie viele Gemeinsamkeiten aber auch regionsspezifische Unterschiede auf. Eine zentrale Erkenntnis der Studie ist, dass in beiden Regionen bereits wesentliche Bausteine des Innovationssystems Bürgerenergie vorhanden sind und wichtige Funktionen erfüllt werden. So bestehen in beiden Fallregionen bereits Bürgerenergie-Projekte, wobei die Anzahl der Gründungen von Bürgerenergie-Initiativen in den Regionen vergleichbar ist. Dabei zeichnet sich die Lausitz insbesondere durch kleine, lokale Photovoltaik- und Wärme-Initiativen aus, während im Rheinischen Revier größere, mitgliederstärkere Projekte mit Schwerpunkt auf Photovoltaik und Windenergie dominieren. In beiden Regionen existiert zudem eine Vielzahl an Akteurinnen und Strukturen, die Wissen in den verwandten Themenbereichen Erneuerbare Energien, Teilhabe und Strukturwandel sammeln und verbreiten. Weiterhin lassen sich im Rheinischen Revier und in der Lausitz gesellschaftliche und politische Anknüpfungspunkte für Bürgerenergie identifizieren, wenn auch mit unterschiedlichem Fokus. Im Rheinischen Revier bestehen diese Anknüpfungspunkte insbesondere in der aktiven, klima- und strukturwandelorientierten Zivilgesellschaft und in der Lausitz sind vor allem die Stärkung der regionalen Wertschöpfung und die finanzielle Entlastung der Kommunen wichtige gesellschaftliche und politische Motive. Auch die Mobilisierung von Ressourcen gelingt Bürgerenergie-Initiativen in beiden Regionen trotz struktureller Knappheit, etwa durch Kooperationen und Netzwerke. Dabei bestehen in beiden Regionen unterschiedliche Engpässe und Herausforderungen, etwa in Bezug auf verfügbare Flächen, mobilisierbares Eigenkapital oder Mitglieder. Als geteilte Legitimationsgrundlage und Begründungsmuster für Bürgerenergie in den Fallregionen erweisen sich insbesondere die Stärkung der regionalen Wertschöpfung und des gemeinschaftlichen Handelns durch Bürgerenergie. In der Lausitz wird dies ergänzt durch Motive der Selbstbestimmung und Unabhängigkeit, im Rheinischen Revier um den Aspekt des Klimaschutzes. Als wichtige Treiber der Innovationssysteme in den Fallregionen wirken insbesondere der regionale Wissens- und Erfahrungsaustausch, das Engagement von Einzelpersonen, die politische Unterstützung auf kommunaler Ebene sowie die Hervorhebung des regionalen Nutzens von Bürgerenergie. Zudem können sechs übergreifende und zugleich funktionsspezifische Stellschrauben zur Förderung von Bürgerenergie identifiziert werden: die Stärkung der Sichtbarkeit bestehender regionaler Projekte, die Förderung institutionalisierten Wissenstransfers, der Abbau von Unsicherheiten in Kommunen im Hinblick auf Kooperations- und Unterstützungsmöglichkeiten, die Anerkennung von Bürgerenergie-Initiativen als wirtschaftliche Akteurinnen sowie die Stärkung der Planungssicherheit für Bürgerenergie-Projekte, die Bündelung knapper Ressourcen und eine gezielte Anknüpfung an regional verankerte Werte.
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Dolinga, S. N. (2026). Bürgerenergie in Strukturwandelregionen: Analyse der sozialen Innovationssysteme "Bürgerenergie" im Rheinischen Revier und der Lausitz. RIFS Study, Oktober 2026.